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PrEP in der Schweiz: Zugang, Begleitung und Kosten – der vollständige Überblick

von Queer Switzerland editorialVeröffentlicht 22. Juni 20264 Min. Lesezeit

PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe: ein Medikament, das HIV-negative Menschen vor einer Ansteckung mit HIV schützt. Eingenommen wird es vorbeugend, bevor es zu einer möglichen Exposition kommt – der Wirkstoff ist dort präsent, wo HIV über die Schleimhäute in den Körper gelangen würde. Korrekt angewendet ist der Schutz vor einer HIV-Übertragung sehr hoch. Wichtig ist von Anfang an eine Klarstellung: PrEP schützt ausschliesslich vor HIV, nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien. Genau deshalb ist regelmässiges Testen kein Anhängsel, sondern fester Bestandteil des Konzepts.

In der Schweiz ist der Zugang über das nationale Programm SwissPrEPared organisiert. Es verbindet Checkpoints in den grösseren Städten, Spitäler und spezialisierte Praxen zu einem einheitlichen Netzwerk mit gemeinsamen Standards für Beratung, Tests und Begleitung. Teilnehmen kann grundsätzlich, wer über 16 Jahre alt und HIV-negativ ist. Über die Zentren-Liste auf der offiziellen Seite findet man die nächstgelegene Anlaufstelle – auch ausserhalb von Zürich, Genf und Basel – und die Beratung ist je nach Standort auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch verfügbar.

PrEP gibt es nicht nur in einer Form. Üblich sind zwei Einnahmeschemata: die tägliche Einnahme einer Tablette sowie das anlassbezogene oder ereignisgesteuerte Schema rund um einzelne sexuelle Kontakte. Welche Variante passt, hängt von der individuellen Situation, der Häufigkeit der Kontakte und persönlichen Vorlieben ab – das wird in der Beratung gemeinsam mit der Fachperson geklärt. PrEP wird ärztlich verschrieben, und das Programm empfiehlt Fachpersonen, die nach den SwissPrEPared-Kriterien arbeiten.

Die ärztliche Begleitung ist der Kern, nicht die Formalität. Vor dem Start stehen ein HIV-Test, Tests auf weitere sexuell übertragbare Infektionen und eine Blutuntersuchung; erst danach wird die PrEP begonnen. Wer täglich einnimmt, kommt anschliessend in der Regel alle drei Monate zur Kontrolle. Dabei wird erneut auf HIV und weitere STI getestet und die Nierenfunktion überwacht, da der Wirkstoff die Nieren belasten kann. Dieser Rhythmus stellt sicher, dass eine Infektion früh erkannt wird und dass die PrEP für die jeweilige Person sicher bleibt.

Bei den Kosten hat sich in den letzten Jahren am meisten verändert. Wird PrEP täglich eingenommen, belaufen sich die Gesamtkosten – Medikament, ärztliche Leistungen und Laboranalysen zusammen – auf rund 2'000 bis 2'500 Franken pro Jahr, wenn man sie selbst trägt. Lange Zeit zahlten Nutzerinnen und Nutzer diesen Betrag tatsächlich weitgehend selbst, oft mithilfe günstiger Generika. Das war eine spürbare finanzielle Hürde und ein Grund, warum nicht alle, die profitieren würden, tatsächlich Zugang hatten.

Der entscheidende Wandel kam mit dem 1. Juli 2024: Seither übernimmt die obligatorische Grundversicherung (KVG) die Kosten der HIV-PrEP – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Die Übernahme gilt für klar definierte Gruppen mit erhöhtem Risiko, etwa Männer (cis und trans) und trans Frauen, die Sex mit Männern haben und mindestens ein Kriterium erfüllen (zum Beispiel ungeschützter Analsex, eine STI-Diagnose in den letzten zwölf Monaten, eine kürzliche PEP oder Substanzkonsum beim Sex), sowie weitere Konstellationen mit nachweislich erhöhtem Risiko. Wer nicht zu diesen Gruppen gehört oder die PrEP ohne Versicherung beziehen möchte, kann die Kosten weiterhin selbst tragen.

Entscheidend ist dabei der Weg: Über die Grundversicherung abrechnen können nur Anbieter, die bei SwissPrEPared angeschlossen und als Leistungserbringer zugelassen sind. Wer also von der Kostenübernahme profitieren will, sollte die PrEP über eine solche Stelle beziehen – nicht über einen beliebigen Online-Kanal. Und «übernommen» heisst nicht «gratis»: Wie bei jeder Leistung der Grundversicherung greifen zuerst die selbst gewählte Franchise (zwischen 300 und 2'500 Franken pro Jahr) und danach der Selbstbehalt von 10 Prozent, gedeckelt auf maximal 700 Franken jährlich. Ein Teil der Kosten bleibt also bei der Person; einige Zentren bieten zudem Unterstützung für Menschen mit geringem Einkommen an.

Noch ist diese Kostenübernahme nicht in Stein gemeisselt. Sie gilt befristet im Rahmen einer Evaluation, die bis Dezember 2026 läuft und prüft, ob die Übernahme der HIV-PrEP wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist. Auf dieser Grundlage entscheidet der Bund, ob PrEP dauerhaft in den Leistungskatalog der Grundversicherung aufgenommen wird. Genau deshalb sind die Detailbedingungen veränderlich, und es lohnt sich, vor dem Start die aktuell gültigen Kriterien direkt bei einem SwissPrEPared-Zentrum oder der Krankenkasse zu prüfen.

Für Queer Switzerland ist PrEP ein Dauerthema mit konkretem lokalem Bezug: Welche Stadt hat sichtbare Angebote, wo ist die nächste Anlaufstelle und wie kommt man rasch an verlässliche, offizielle Informationen? Den aktuellen Stand zu Zentren, Bedingungen und Kostenübernahme findest du direkt bei SwissPrEPared (swissprepared.ch). Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine medizinische Beratung – die individuelle Eignung, das passende Schema und die Kostenfrage klärst du am besten persönlich mit einer Fachperson oder einem Checkpoint in deiner Nähe.

Quelle: SwissPrEPared

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